you don’t know what love is

Kritik zur 1994 erschienenen CD
„You don’t know what love is“
von Alexander Schmitz aus dem
„Jazzpodium“ 03.1995

Blue4U Society Jazz
WeltWunder/Jazz World WW 901-2

Drei junge Hamburger – Beate Kynast voc, Thilo Plümer b und Axel Fidelak g – bilden den Kern von Blue4U, und bei Bedarf verstärken Drummer Thomas Altmann und Mundharmonika-Spieler Lars Luis Linek das Trio. Und wenn man den Zeichen des CD-Debuts von Blue4U trauen darf, dann haben wir es mit einer Delikatesse zum Jahresende zu tun gehabt. Trio, Quartett, Quintett: 13 Stücke bietet „Society Jazz“. Wer befürchtet, der Titel signalisiere Sterilität, wird schnell eines besseren belehrt. Mit allem Anrecht auf Subjektivität: Plümer und Fidelak (der sich bedeckter hält als er’s nötig hat) hätten mühelos komplettes Dui-Debut abliefern können. Fidelak bevorzugt den runden Archtop-Ton der geschätzten Vorväter; Plümer’s Baß ist von Stabenow’scher Opulenz, und schade ist nur, daß es mit dem Auftakt-„Misty“ bei der Duo-Lockung bleibt: Fidelak zeigt, daß er sich hinter nichts und niemandem verstecken muß. Singlenotes, eingestreute Doublestops und geschmackvolles, akkortisches „Anfüllen“ der Linien bei stets gezügletem Temperament, das sein Spiel in ständig hoher Spannung hält – all das stellt einen jungen, stilistisch versatilen Gitarristen der klassischen Moderne vor, der Hunger auf mehr macht.
Beate Kynasts Sopran, in „Now’s the time for Erics Gale“ und dem Schluß „Peace“ am risikofreudigsten, mag die nie zu üppige Verzierung und erinnert an einstige Vrethamer-Jazzexkursionen: lupenrein, hier und da zu wenig „dirty“, doch voller Swing und Drive. Kommt Thomas Altmann dazu, bleiben Wünsche kaum mehr offen. Nur mit dem Harpspiel mag man ein wenig hadern und fragen, ob es in solch eine Besetzunge gehört oder nicht, wenn man zwischen Bluesharp und Toots den Königsweg (noch) nicht gefunden zu haben scheint.
Sei’s drum. Erfrischende stilistische Vielseitigkeit, Geschmackssicherheit in Performance und Arrangement, große Sensibilität für eine zeitlose, kompromiß den Wurzeln verpflichtete Jazzauffassung, die doch immer wieder für überraschungen gut ist; und ein Gitarrist, natürlich, der so leise daherkam, wie sein Spiel das eines „mild mainstream maniac“ ist – Blue4U’s Debut hat den Erfolg verdient.

Alexander Schmitz – Jazzpodium 3.1995

Blue4U „You don’t know what love is“ CD WW 901-2

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